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Munition Wiederladen


Das Wiederladen ist eine kleine Wissenschaft für sich und erfordert ausser den käuflichen Munitionskomponenten geeignete Maschinen, Fachkenntnisse, Präzision und einen Hang zum Experimentieren.

Aufbau einer Patrone

Eine Patrone ist normalerweise aus vier Komponenen aufgebaut :

A) Dem Geschoss
B) Der Hülse
C) Dem Pulver
F) Dem Zündhütchen

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Hülsen


Die Hülsen bestehen meist aus Messing und werden in Grossserien hergestellt. Als Wiederlader sammelt man nach dem Training die gebrauchten Hülsen ein, sortiert Unbrauchbares aus und füllt sie zum Reinigen für 1 - 2h in den Reinigungstumbler (Nein, nicht den zum Wäsche trocknen). Eine Hülse lässt sich ohne Probleme 5 - 10mal wiederverwenden. Durch die Umformungsarbeit versprödet das Messing mit der Zeit und müsste weichgeglüht werden. Die Arbeit nimmt aber niemand auf sich. Wer spezielle Kaliber schiesst, muss u.U. gelegentlich neue Hülsen kaufen. Die Aufgabe der Hülse ist es, die anderen Komponenten zusammenzuhalten und einem Teil des Gasdrucks standzuhalten.
Verschiedene Hülsentypen eignen sich nur schlecht zum Wiederladen :

Typ Grund
 9mm Thuner  Zu enges Zündloch. Austossstift bricht ab
 9 mm S&B SX Zu enges Zündloch. Austossstift bricht ab
Russische Stahlmantelmunition Schwer zu kalibrieren
Hülsen für Berdan Zünder Kein zentrales Zündloch. Ausstossstift bricht ab.



Zünder


Das Zündhütchen wird im Boden der Hülse eingepresst und besteht selbst wieder aus drei Teilen :

1) Dem Zündhütchenkörper
2) Dem Explosivmaterial
3) Dem Amboss

Es gibt verschieden Grössen für verschiedene Kaliber. Den Pistolen- und Revolverschützen interessieren zwei Grössen : Small- und Large Pistol. Diese gibt es auch noch in Magnumausführung mit mehr Explosivmaterial für besseres Anzündverhalten von grösseren Pulvermengen. Das Explosivmaterial ist schlagempfindlich, d.h. bei Kompression oder schneller Verformung explodiert es. Die entstehende Flamme gelangt durch ein Loch im Boden der Hülse in den Pulverraum und entzündet dieses. In der Waffe schlägt der Zündstift auf die Mitte des Zündhütchens und komprimiert dadurch das Explosivmaterial zwischen Zündhütchenkörper und Amboss. Wichtig für die zuverlässige Funktion ist das vollständige Einpressen in die Hülse bis zum Anschlag. Die Zünder kommen meist in 100er Packungen und müssen vor dem Einfüllen in die Wiederladepresse auf die "richtige" Seite gedreht und in ein Vorratsrohr gefüllt werden.

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Pulver


Das Pulver ist der Antriebsmotor für die Geschosse. Heute wird ausschliesslich Nitrozellulosepulver verwendet, welches einen hohen Energiegehalt besitzt und raucharm abbrennt. Die Pulvermenge und der Pulvertyp müssen genau auf den Patronentyp, die Waffe und das Geschossgewicht abgestimmt werden. Moderne Waffenläufe sind zwar aus hochfestem Stahl, eine falsche Pulverlaborierung kann aber trotzdem zur Laufsprengung führen. Dies ist nicht ungefährlich.
NC-Pulver detoniert nicht, sondern brennt sehr schnell mit bestimmter Geschwindigleit ab. Die Laborierung wird so gewählt, dass die Gasdruckentwicklung innerhalb des Laufes im zulässigen Bereich bleibt und die gewünschte Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses erreicht wird.
Es gibt eine Vielzahl von Pulversorten, welche den Bereich von kurzläufigen Revolvern (schneller Abbrand) bis zum .50BMG Gewehr (langsam) abdecken. Im Internet findet man Ladedaten für alle Kaliber. Der Wettkampfschütze wird diese in seiner Waffe testen und die Mündungsgeschwindigkeit mit einem Chronometer messen. So kann der IPSC Powerfaktor sicher bestimmt werden.
Bei Laborierungen mit zu hoher Druckentwicklung ( > 3500 bar) kann man oft an den Zündhütchen Überdrucksignale beobachten. Diese werden so stark gegen den Verschluss gepresst, dass sich der Boden verformt.

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Geschosse


Für jedes Kaliber gibt es Geschosse mit verschiedenen Formen, Gewichten und Oberflächenbeschichtungen. Die optimale Wahl für den jeweiligen Anwendungszweck muss ev. durch Versuche ermittelt werden. Vereinskollegen werden ihnen hilfreiche Tipps geben und ihre Erfahrungen mitteilen. Ganz früher wurden gefettete Bleigeschosse verwendet, welche Ablagerungen im Lauf hinterlassen. Dann kamen die Mantelgeschosse mit Bleikern und Kupfer- oder Messingmantel. Heute werden viel galvanisch verkupferte Geschosse benutzt. Die neuste Entwicklung sind kunststoffbeschichtete Typen, die dank reibungsmindernder Zusätze bei gleicher Pulvermenge eine bis zu 5% grössere V0 haben.


Wiederladepressen


Bei den grossen Mengen an Patronen, die ein guter IPSC Schütze im Training verbraucht, sind die sogenannten Mehrstationenpressen das Werkzeug der Wahl. Diese Pressen führen pro Hub mehrere Arbeitsschritte auf verschiedenen Stationen durch und erzeugen dabei eine Patrone pro Hub. Dies führt zu Produktionsleistungen von 450 - 1000 Patronen pro Stunde. Das Einstellen der Pressen erfordert etwas Geduld und Fachwissen. Einmal eingestellt erzeugen sie qualitativ gute Patronen über einen langen Zeitraum. Ein Hersteller gibt sogar lebenslange Garantie auf seine Maschinen. Die Kosten sind moderat und meist schon nach zwei Jahren durch die preiswertere Munition amortisiert.
Die Pressen besitzen einen Drehteller mit 4 - 8 Stationen für die Hülsen, welcher pro Hub um eine Station weitergedreht wird. Zur Bearbeitung der entstehenden Patrone dienen Matrizen, die im Kopf der Maschine verstellbar eingebaut sind.
Die Bearbeitung folgt meist folgendem Schema :

Station Arbeitsschritt
1 Zünder ausstossen und Hülse rekalibrieren
2 Neuen Zünder einpressen
3 Pulver einfüllen und Hülsenmund aufweiten ("Belling")
4 Pulvermenge testen
5 Geschoss aufsetzen und auf Nennlänge einpressen
6 Geschoss "crimpen", d.h. Hülsenrand an Geschoss anpressen
7 Fertige Patrone auswerfen

Je nach Ausstattung der Maschine erfolgen Hülsenzuführung und Geschosssetzen automatisch. Die Arbeit beschränkt sich dadurch auf das Drehen des Pressenhebels und dem Nachfüllen von Material.

Hinweise zum Einstellen einer Mehrstationenpresse finden sie hier : Wiederladepresse einstellen




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Matrizen

Zu jedem Kaliber gehört ein Matrizensatz, welcher in die Kopfplatte der Maschine eingeschraubt wird. Er besteht meist aus der Kalibrier-, der Setz- und der Crimpmatrize. Neuere Versionen haben Hartmetalleinsätze und halten fast ewig. Durch Höhenverstellung wird die gewünschte Fertigungsqualität erreicht. Ein Hauch Öl an den Hülsen verringert die Reibung und man braucht weniger Kraft an der Maschine.

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Hülsentumbler

Er dient zur Reinigung gebrauchter Hülsen und wird meist mit Walnussgranulat gefüllt. Der Reinigungsvorgang geschieht durch Vibration. Nach spätestens 2h im Tumbler sind die Hülsen aussen wieder schön blank. Danach muss mit einem Sieb das Granulat von den Hülsen getrennt werden. Vor dem Gebrauch in der Maschine erhalten sie nur von aussen noch eine Spur Fett oder Öl. Das verringert die Reibung in den Matrizen.
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Präzisionswaage


Eine kleine elektronsche Waage, die mindestens 0,05g Auflösung haben sollte, dient zum Einstellen der Pulverfüllmenge. Zum Messen füllt man 10 mal Pulver ab, gibt alles zusammen in die Waagschale und teilt das Ergebnis durch 10. Das führt zu genaueren Ergebnissen wie eine Einzelmessung. Die Pulverfüllmengen sind ja recht klein und liegen im Bereich von einem halben Gramm.

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Entladehammer


Der Enladehammer ist ein einfaches Werkzeug aus Kunststoff, was zum Delaborieren von Patronen dient. Manchmal geht bei der Herstellung etwas daneben oder man weiss einfach nicht mehr, wie stark eine Patrone gefüllt ist. Mit dem Entladehammer kann man per Massenträgheit das Geschoss aus der Patrone ziehen und die gewonnenen Komponenten neu verwenden. Er wird auch bei Wettbewerben benutzt, um das Geschossgewicht fertiger Patronen bestimmen zu können. Dieses Gewicht geht zusammen mit der Mündungsgeschwindigkeit in die Powerfaktorberechnung ein.

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Schieblehre

Zum Messen der Patronenlänge und Einstellen der Setztiefe.

Zündhütchenwendebox

Eine kleine Plastikbox zum Wenden der Zündhütchne, bevor man sie in die Vorratsröhren füllt.


Laborierungen

Wir haben im Verein verschiedene Laborierungen hergestellt und gemessen. Diese werden hier von Zeit zu Zeit veröffentlicht.

Laborierungen

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